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Das Internationale Priesterseminar St. Petrus in Wigratzbad ist das erste Priesterseminar der gleichnamigen Bruderschaft, ihr erstes kanonisch errichtetes Haus weltweit und somit ihr Mutterhaus. Es liegt in mehrfachem Grenzgebiet: im innerdeutschen Grenzgebiet zwischen Bayern und Schwaben und in geringer Entfernung zu den Grenzen der Nachbarländer Österreich und Schweiz. Nicht einmal zwanzig Kilometer sind zur berühmten Inselstadt Lindau im Bodensee zurückzulegen, bis zum Saum der Alpen ist es kaum weiter.

Der kleine Ort Wigratzbad in der Gemeinde Opfenbach hat schon Jahrzehnte vor der Ankunft der Priesterbruderschaft St. Petrus eine Bedeutung als Gebetsstätte erlangt. Aus der umliegenden Gegend, aber auch aus anderen Gebieten Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Frankreichs begaben sich Pilger hierher, um die Gottesmutter unter dem Titel „Unbefleckt empfangene Mutter vom Sieg“ zu ver- ehren. Ursprung dieses Pilgerbetriebes waren außer- ordentliche Vorgänge um das Fräulein Antonie Rädler, die in den Dreißiger Jahren begannen und zum Auf- und Ausbau der Pilgerstätte Wigratzbad führten. Antonie Rädler und der frühere Wallfahrtspriester P. Johannes Schmid aus dem Passionistenorden sprachen bereits viele Jahre, bevor es die Priesterbruderschaft St. Petrus gab, von einer künftigen Priesterausbildungsstätte internationalen Charakters in Wigratzbad.

Nach der Gründung der Priesterbruderschaft St. Petrus am 18. Juli 1988 in der schweizerischen Zisterzienserabtei Hautrive begannen die Gründer sich nach einem passenden Ort für das Studienhaus umzusehen. Im August bereits erklärte sich der damalige Augsburger Bischof Dr. Joseph Stimpfle bereit, ein Seminar in Wigratzbad kanonisch zu errichten, und im November konnte der Studienbetrieb mit 31 Seminaristen beginnen. P. Josef Bisig wurde in Personalunion erster Generaloberer der Priesterbruder- schaft St. Petrus und erster Seminarregens in Wigratzbad. Der Unterricht wurde von Anfang an in zwei Sprachgruppen, einer deutschen und einer französischen, erteilt. Seminaristen aus Ländern anderer Zunge müssen sich bis heute für eine der beiden Sektionen entscheiden, wenn sie nicht in das mittlerweile bestehende englischsprachige Seminar in Amerika eintreten wollen.
Bis in das Jahr 2000 blieb das Seminar unter den Regenten P. Bisig, P. Gouyaud, P. Baumann und P. Dr. du Fay in den Räumlichkeiten des Pilgerheims untergebracht. In diesen Jahren konnten die Studien ausge- baut und auch manche hohen Gäste – wie die Kardinäle Mayer, Ratzinger, Gagnon, Stickler und Groer, mehrere Erzbischöfe und Bischöfe – empfangen werden. Das Platzproblem wurde jedoch immer größer. So faßten der Generalobere P. Bisig und Regens P. Dr. du Fay den Plan, ein eigenes Seminargebäude an Ort und Stelle zu erbauen.

Den Grundstein des Seminares weihte noch im Jahr 1999 Papst Johannes Paul II im Rahmen einer Audienz, die er dem Generaloberen gewährte. Bis zum Semesterbeginn und zum Amtsantritt von P. Bernward Deneke als Regens im Herbst 2000 konnte der gesamte Neubau abgeschlossen werden. Kardinal Castrillon-Hoyos nahm am 2. Dezember desselben Jahres die feierliche Einweihung des Seminars vor. Seit der Regentschaft des Kanadiers P. Philip Creurer vom Sommer 2003 bis 2006 beherbergt das Seminar nun nicht mehr die Generalleitung der Bruderschaft, die inzwischen im westschweizerischen Fribourg ihr eigenes Generalhaus erhalten konnte. Gleichzeitig wurde damals die Leitung des deutschsprachigen Distrikts von Köln nach Wigratzbad verlegt, die aber über ein eigenständiges Gebäude, das Haus St. Michael, verfügt. Somit bietet das Seminar jetzt eine größere Abgeschlossenheit zugunsten der Ausbildung der Alumnen. Dies schließt jedoch nicht aus, daß das Seminar gerade am Sonntag mehr und mehr zu einem Anziehungspunkt für Gläubige aus der näheren und weiteren Umgebung wird, die dort nach dem Hochamt Kinder-, Jugend- oder Erwachsenenkatechesen besuchen, an der Chorprobe teilnehmen, oder auch nur zu einem gemütlichen Frühstück zusammenkommen.

Gemeinsam mit dem angemieteten Wohnheim „Johanneum“, das vor allem den Seminaristen des Spiritualitätsjahres reserviert ist, beherbergt das Priesterseminar St. Petrus derzeit beinahe 70 junge Männer aus Frankreich, Deutschland, Polen, Kolumbien, Kanada, Australien, Südtirol und Finnland, die sich darauf vorbereiten, seeleneifrige Priester zu werden. Zu deren Betreuung befinden sich derzeit neben dem Regens P. Franz Karl Banauch aus Österreich und dem Subregens P. Hubert Bizard aus Frankreich noch zwei weitere französische, zwei deutsche und ein spanischer Priester der Bruderschaft ständig im Seminar.